Tacheles in der Marktkirche

Oktober 14, 2011

Ausgehend von einem Bericht des Kölner Stadtanzeigers über eine Diskussion in der Marktkirche in Hannover, bei der offensichtlich Philipp Möller von der Giordano-Bruno-Stiftung und Hans-Christian Ströbele von den Grünen Tacheles geredet haben, ein paar Anmerkungen zum staatlich bezahlten Religionsunterricht: Ausschnitte aus der Aufzeichnung.

Religionen spalten

Manchmal sogar Schädel. In Berlin wurde der obligatorische Ethikunterricht eingeführt, damit sich in dieser „Vielvölkerstadt“ Kinder GEMEINSAM mit den Gründen für sozial erwünschtes und sozial unerwünschtes Verhalten beschäftigen können. Es ist schon schlimm genug, wenn Kindern im Elternhaus vermittelt wird, sie hätten einen Zugang zu einer höheren Wahrheit, den nicht-christlich oder nicht-islamisch erzogene Kinder nicht hätten. Diesen Unsinn muss man nicht noch auf Kosten des allgemeinen Steuerzahlers in den Schulen lehren. Moralisches und unmoralisches Verhalten entwickeln sich weitgehend unabhängig vom Glauben, sind im Menschen angelegt und werden sozial geformt. Das Drohen mit der Hölle und das Versprechen des Himmels helfen dabei wenig.

Selbstverständlich haben wir christliche Wurzeln. Aber das heißt nicht zuletzt, dass wir auf eine 1600jährige christliche Kriminalgeschichte zurückblicken. Schon vergessen (oder noch nie gehört), wie es zur Machtergreifung und Kriegspolitik Hitlers kam? Mit den Stimmen des katholischen Zentrums ist 1933 die Demokratie abgeschafft worden, und die meisten deutschen Bischöfe haben die Einmärsche der Wehrmacht in Polen, Russland u.s.w. bejubelt. Auf den Koppelschlössern stand – wie schon im 1. Weltkrieg – GOTT MIT UNS. Die Soldaten waren fast alle Christen. Denn wie sagte Paulus schon ganz falsch: „Jeder leiste den Trägern der staatlichen Gewalt den schuldigen Gehorsam. Denn es gibt keine staatliche Gewalt, die nicht von Gott stammt; jede ist von Gott eingesetzt.“ (Römer 13,1)

Demokratie, Meinungsfreiheit und Menschenrechte verdanken wir nicht den Kirchen, sondern mutigen Männern und Frauen, die diese Rechte für uns erkämpft haben.

Wider die religiöse Verblödung

(Wolfgang Klosterhalfen)

Religionen trennen, spalten,

weil „die Wahrheit“ sie verwalten,

sich für überlegen halten,

doch um Zukunft zu gestalten,

hilft uns nicht das Händefalten.

Die den Glauben progagieren,

Kinder schon indoktrinieren,

sollten langsam mal kapieren,

dass sie sich nur noch blamieren,

wenn sie über „Gott“ dozieren.

Die den Unsinn kultivieren,

kann und muss man kritisieren,

wenn sie Kinder infizieren,

drohen und moralisieren

und oft andre diffamieren.

Schüler soll man motivieren,

dass sie nicht den Quatsch goutieren,

den oft Lehrer präsentieren,

wenn sie frömmelnd spekulieren,

wenn sie Blödsinn implantieren.

 

„Herr Pfarrer, wo fühlen Sie sich daheim?“

August 21, 2011

Was kann ein junger Katholik, der in einem konservativ-katholischem Millieu lebt und sexuell verklemmt ist oder homosexuell oder pädophil veranlagt ist, Besseres tun, als Priester zu werden? Niemand wird ihn fragen, warum er keine Freundin oder Ehefrau hat. Was kann ein junger Mann mit Bedürfnis nach sexuellen Aktivitäten Dümmeres tun, als zu versprechen, lebenslang weder an sich noch an Andere Hand anzulegen? Einiges. Aber das psychische Elend für ihn selbst und für Andere ist meist vorprogrammiert: er wird sich, seine Partner oder Partnerinnen und eventuell sogar (seine) Kinder in große Schwierigkeiten bringen.

In Österreich gibt es rund 700 verheiratete Priester (von insgesamt 4000), die in einem Verein organisiert sind. Unbekannt ist die Zahl von amtierenden Priestern, die heimlich sexuelle Kontakte unterhalten. Nach Paul M. Zulehners Buch „Wie geht´s, Herr Pfarrer?“ dürfte die Mehrheit davon homosexuell sein. In einer repräsentativen Studie der GK Austria gaben 29% der Pfarrer an, sich bei einer Freundin „daheim“ zu fühlen; 47% fühlten sich bei einem Freund „daheim“. (Man hielt es anscheinend nicht für opportun, direkt nach Homosexualität zu fragen.)

Matthias Matussek: Das katholische Abenteuer

Juli 7, 2011

Zu Matusseks abenteuerlichem Buch gibt es eine lesenswerte kritische Stellungnahme von Gerhard Czermak: http://hpd.de/node/11733

Ich habe das Buch durchaus mit Interesse gelesen, da es einen guten Einblick in die Gedankenwelt eines linientreuen Katholiken gibt. Es kommt recht anschaulich rüber, wie behaglich man es sich im Katholizismus mit seinen Ritualen und seiner staatlich subventionierten Mystik einrichten kann.

Peinlich wird es allerdings, wenn sich Matussek seine inner- und außerkirchlichen Gegner vornimmt. Drewermann watscht er ab, indem er Dyba zitiert: „Ein wabernder Hirtenpullover, den keiner mehr hören kann.“ (197). Auch Küng, der in „Ist die Kirche noch zu retten?“ jede Menge gut begründeter Kritik vorbringt, „erledigt“ er mit dem Dyba-Zita: „Ein vergeudetes Riesentalent.“ und einem Witz über Küng.

Hier noch weitere intellektuell dürftige Aussagen von Matussek: „Ohne den Gedanken an Gott ist dauerhaftes moralisches Handeln nicht möglich…“. (18) Dass hieße, dass die Mehrheit der Bevölkerung in der DDR sich dauerhaft unmoralisch verhalten hat und derzeit etwa die Hälfte der Deutschen sich unterhalb des hohen ethischen Niveaus von Matussek bewegen. Wie hoch dies ist, zeigt sich u.a. in seinen Äußerungen über Wissenschaftler/innen: „Die scharfsinnigsten Geister halten es für erstrebenswert, unsere und ihre eigene geistige Existenz auf das Spiel von Proteinen und Enzymketten und Genen runterzurechnen.“ (88) Natürlich zitiert er keinen Autor, der eine so extreme Sicht vertritt. Und es ist doch völlig klar, dass die Naturwissenschaften zum Verständnis intrapsychischer Vorgänge beitragen. „Im Grunde sind Wissenschaftler Theologen des Schreckens.“ (89) Nähere Erläuterung dieser These: Fehlanzeige. „Nein, ohne Glauben, der auch der Glaube an das Gute ist und daran, dass wir zur Rechenschaft gezogen werden für das Böse, fällt die Gesellschaft auseinander – in einander zerfleischende Wolfsrudel.“ (93) Na, dann kann ich nur hoffen, dass nicht noch mehr Christen ihre Angst vor dem Jüngsten Gericht und der Hölle verlieren. Dass man außerhalb dieser primitiven, auf den eigenen Vorteil ausgerichteten Moral auch Gutes um seiner selbst willen tun kann, oder weil es Vorteile im Diesseits durch Kooperation gibt, oder weil es – wie die Liebe einer Mutter zu ihrem Kind – schon in den Genen liegt, scheint dem Autor verborgen geblieben zu sein. Ein letztes Beispiel für Matusseks Eindreschen auf Strohmänner: „Noch einmal zu unseren Messfanatikern mit Zollstock und Waage: Selbst die exakteste Wissenschaft kommt ohne ständige Rückgriffe auf den Glauben nicht aus.“ Um dies zu „belegen“, verwendet M. den beliebten Trick, „glauben“ im Sinne von „vermuten“ zu verwenden. (96)

Peinlich ist auch Matusseks Versuch, sexuelle Übergriffe des göttlichen Bodenpersonals zu verharmlosen. Nur 0.1% der Delikte würden von Priestern begangen. Unter der Annahme, dass es in Deutschland im Vergleich zu Priestern etwa tausend mal so viele nicht-geweihte Männer gibt, wäre eine Anzeigequote von 0.1 Prozent im Rahmen der Erwartungen. Allerdings ist damit zu rechnen, dass weniger Priester als sonstige Männer auch angezeigt werden. Rom wollte solche Fälle möglichst diskret behandeln. Kardinal Ratzinger schrieb daher als Präfekt der vatikanischen Glaubenkongregation am 18.5.2001 an die Bischöfe in Hinblick auf Straftaten gegen die Sittlichkeit und andere schwere Straftaten (De delictis graviboribus): „Fälle dieser Art unterliegen dem päpstlichen Geheimnis.“ Nicht gerade eine Aufforderung, in Verdachtsfällen die Kriminalpolizei einzuschalten.

Herrn Dr. Ratzinger hält er natürlich für den größten Theologen, den wir haben. Ratzingers Theologie zeichnet sich indes u.a. dadurch aus, dass er die Ergebnisse der kritischen Theologie gerne ignoriert. Im ersten Band von JvN (S. 447) kommt die nur einmal vor: „Bibelauslegung kann in der Tat zum Instrument des Antichrist werden. … Aus scheinbaren Ergebnissen der wissenschaftlichen Exegese sind die schlimmsten Bücher der Zerstörung der Gestalt Jesu, der Demontage des Glaubens geflochten worden.“ Statt sich mit der Kritik auseinanderzusetzen, verteufelt der ach so intellektuelle Ratzinger, der sich für den Stellvertreter Jesu hält (schon allein wegen des vatikanischen Pomps eine bizarre Vorstellung) den Gegner. Die Legende vom Gottessohn ist längst wissenschaftlich widerlegt worden, und es ist klar, dass nur wenige „Worte Jesu“ vom diesem selbst stammen können. Herrn Matussek und dessen habilitiertem Vorbeter sei das Buch des (nur promovierten) Theologen Heinz-Werner Kubitza empfohlen: Der Jesuswahn. Dies erläutert, dass nicht Christus die Kirche, sondern die Kirche Christus begründet hat.

Ein naives, aber bisweilen dreistes Bekenntnisbuch, dass Kritik an dieser Variante esoterischer Jenseitsanschauungen auf eindrucksvoll primitive Weise abwehrt.

Christlich-atheistisches Streitgespräch

April 17, 2011

Im berliner Gebäude der FAZ (Hangar7) trafen sich im April 2011 ein nervender Moderator (Ruprecht Eser), eine bildhübsche Moderatorin (Barbara Essl), zwei moderate Gläubige (Abtprimas Notker Wolf und Bischöfin Dr. Antje Jakelén) und zwei Religionskritiker (Dr. Michael Schmidt-Salomon und Prof. Dr. Beda Stadler). Dauer der interessanten Diskussion: ca. 90 Minuten.

Beate Turner: Bücher und Materialien für den Ethikunterricht

März 8, 2011

Im Unterschied zum Judentum – aber nicht zum Islam – ist das Christentum nach wie vor eine missionarische Religion. Das besondere Augenmerk gilt in diesem Zusammenhang natürlich den Kindern in Kindergarten und Schule.

Der weltanschaulich keineswegs neutrale deutsche Staat unterstützt die Kirchen u.a. dadurch, dass er die Kosten für den Religionsunterricht übernimmt (ca. 3.000.000.000 Euro jährlich) und die Ausbildung des akademischen „Bodenpersonals“ durch die theologischen Fakultäten finanziert.

In vielen Bundesländern wird inzwischen Ethikunterricht als Pflichtfach, Wahlfach oder freiwilliges Fach angeboten. Ein solcher Ethikunterricht sollte weltanschaulich neutral sein. Dass er häufig nicht neutral ist, zeigen die Besprechungen von Ethiklehrbüchern und Materialien durch Beate Turner. Die Autorin zeigt, wie diese Bücher immer wieder implizit oder explizit den Schülern und Schülerinnen problematische christliche Auffassungen nahelegen:

Ergänzendes zur Kritik an Lehrbüchern für den Ethikunterricht in Berlin

Kritik am Ethiklehrbuch „Abenteuer Mensch sein“, Klasse 9

Kritik am Ethiklehrbuch „Eine Welt für alle“, Klasse 9 / 10

Ethiklehrbuch „Abenteuer Ethik 2“, Klasse 9 / 10

Kommentar zum Ethiklehrbuch „Leben leben“ (2008)

Kritik zum Unterrichtsmaterial „Lebensfragen. Kontroversen zur Bioethik“ von www.1000fragen.de – Schüler- und Lehrerheft (Onlinefassung)

Analyse der Informations- und Aufgabenkarten des LISUMs Berlin – Brandenburg zum Thema Christentum

Die Autorin macht nicht nur deutlich, wie schwach die religiös motivierte Argumentation in diesen Texten meist ist, sondern unterbreitet auch selbst viele gute Vorschläge für die schulische Erörterung ethisch relevanter Fragen.

Beate Turners kritische und konstruktive Betrachtungen empfehle ich auch denen, die nicht unmittelbar als Lehrer, Eltern oder Schüler mit dem Ethikunterricht zu tun haben, sich aber für ethische Fragen und deren Diskussion in der Öffentlichkeit interessieren.

Wolfgang Klosterhalfen, 15.3.2011

Die kirchliche Unterwanderung Deutschlands

Februar 22, 2011

Ein Gastkommentar von Prof. Dr. Uwe Lehnert

Nach den Schätzungen der Kirchen selbst wird um 2025 die Mehrheit der Bevölkerung keiner der beiden großen Kirchen noch angehören. Aufgrund der Missbrauchsskandale und des allgemeinen Vertrauensschwunds in die moralische Autorität der Kirchen dürfte diese Situation vermutlich noch früher eintreten.

Aber die Kirche setzt offenbar zur Zeit gar nicht mehr so sehr auf die Wirksamkeit einer großen Mitgliedschaft. Sie sucht vielmehr ihren Einfluss in der Politik weiter auszubauen, wo sie ja längst ihre Bataillone in den Parteien in Stellung gebracht hat. Man beobachte nur, wie kaltschnäuzig die Bemühungen abgebügelt werden, innerhalb der Parteien für den Laizismus, der eigentlich im Grundgesetz angelegt ist, zu werben. Im Fernsehen besitzt die Kirche in Sachen Weltanschauung längst das Meinungsmonopol, dafür sorgt schon der Alleinvertretungsanspruch in religiösen oder weltanschaulichen Fragen, den sie sich über die Rundfunk- und Fernsehräte gesichert hat. Praktisch alle relevanten Posten in den Medien werden von sich betont zum Christentum bekennenden Vertretern besetzt. (Dem widerspricht nicht, dass ab und zu Alibi-Atheisten bzw. -Humanisten auftreten und wenn sie Glück haben, mehr als einen Satz ohne Unterbrechung sagen dürfen.) Über konfessionelle Kindergärten und Schulen, die praktisch vollständig von allen Steuerzahlern finanziert werden, sorgt sie dafür, dass Aberglaube und Intoleranz weiter verbreitet werden. Vom Bundesverfassungsgericht hier klärende Worte zu erwarten, dürfte eine vergeblich Hoffnung sein, wenn man doch weiß, dass diese höchsten, der Neutralität verpflichteten Richter weitestgehend nach ihrem Bekenntnis zum Christentum – natürlich verdeckt – von den Parteien vorgeschlagen werden, und wenn man inzwischen weiß, dass sie sich seit Jahren in Arbeitskreisen regelmäßig mit Kirchenvertretern treffen. Dabei sollte man sich immer bewusst sein, dass schon heute rund 40 Prozent der Bevölkerung nicht den christlichen Kirchen zugehören.

Wir sind längst ein Staat mit kirchenstaatähnlichen Zügen: theologische Fakultäten als Pfarrer ausbildende Institutionen an staatlichen Universitäten; Mitspracherecht des Papstes, also einer ausländischen Macht, bei der Errichtung und Schließung von katholisch-theologischen Lehrstühlen in Deutschland; Mitspracherecht der Kirche bei der Besetzung sog. Konkordats-Lehrstühle; Religion als ordentliches und benotetes Schulfach in eigentlich weltanschaulich neutralen Schulen, wobei die Religionslehrer vom Staat finanziert werden; beamtete Pfarrer in Bundeswehr und Strafvollzug; Bezahlung von Bischöfen, Kardinälen und Domherren samt Nebenkosten aus allgemeinen Steuermitteln; staatliche Zuschüsse zu den Kirchentagen in teilweise zweistelliger Millionenhöhe aus allgemeinen Steuermitteln; Kirchensteuereinzug durch die staatlichen Finanzämter; jahrelang erfolgter zwangsweiser und nicht rückerstattungsfähiger Kirchensteuerabzug beim Arbeitslosengeld, auch wenn keine Kirchenmitgliedschaft vorliegt (vom BVG als rechtmäßig bezeichnet!); kirchliches Arbeitsrecht mit siginifikant weniger Rechten für den Arbeitnehmer und Zwangsmitgliedschaft in der Kirche über staatlichem Arbeitsrecht stehend; Alleinvertretungsanspruch der Kirchen in weltanschaulichen Fragen in den Rundfunk- und Fernsehräten (siehe oben!); nicht kündbare Verträge zwischen Staat und Kirche, die der Kirche Einfluss und vor allem Finanzmittel in Milliardenhöhe (siehe Carsten Frerk: Violettbuch!) sichern; aktuell der Versuch, die Präimplantationsdiagnostik mit religiösen Gründen für alle Bürger, auch die betont nichtreligiös eingestellten, gesetzlich zu verbieten.

Über den Autor:
Uwe Lehnert hatte eine Professur für Didaktik an der Pädagogischen HS Berlin inne, später einen Lehrstuhl für Unterrichtswissenschaft an der FU Berlin. Ein Ergebnis seiner gründlichen Auseinandersetzung mit dem Christentum ist sein Buch „Warum ich kein Christ sein will – Mein Weg vom christlichen Glauben zu einer naturalistisch-humanistischen Weltanschauung“, das gerade in einer überarbeiteten 4. Auflage erschienen ist.

Zur Homepage von Prof. Lehnert: http://www.uwelehnert.de/index.shtml

Zu den Buchbesprechungen bei Amazon: http://www.amazon.de/Warum-kein-Christ-sein-naturalistisch-humanistischen/dp/3939520705/ref=pd_sim_b_2

Düsseldorfer Aufklärungsdienst

Februar 10, 2011

Am Montag (am Dienstag war wohl kein Saal zu kriegen) zelebrierte der Düsseldorfer Aufklärungsdienst seine zweite öffentliche Veranstaltung im düsseldorfer Zentrum für Aktion, Kunst und Kommunikation (zakk). Es versteht sich von selbst, dass die Rheinische Post, die penetrant jeden Gottesdienst, jeden theologischen Vortrag, jedes Gemeindefest und jedes Treffen eines Bibelkreises ankündigt, ihre ca. 1.2 Millionen Leser und Leserinnen über solch gottlose Aktivitäten lieber nicht informiert. Aber siehe, es geschah ein Wunder: die Westdeutsche Zeitung hat über die bildlich illustrierte Lesung des kölner Zeichners und Autors Ralf König (Kondom des Grauens, Der bewegte Mann) berichtet. Und ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass diese Präsentation Herrn Stefan Kreidewolf von der WZ ziemlich gut gefallen hat. (Die WZ war mir schon mal sehr angenehm durch zwei kritische Hintergrundartikel zum Mythos „Ostern“ aufgefallen.) Teuflisch gut waren auch vor und nach der „Ralf-König-Show“ die fröhlich-dynamischen Stücke der electro pop band KITSCH CATS.

Schon die erste Veranstaltung des Düsseldorfer Aufklärungsdienstes (Ende des letzten Jahres) war sehr interessant. Da ging es um die Milliarden der Kirchen, und man erfuhr von dem Autor des Violettbuchs der Kirchenfinanzen, Dr. Carsten Frerk, dass die beiden großen Kirchen nicht nur jährlich 9 Mrd. Euro an Kirchensteuern einnehmen, sondern außerdem noch 19 Mrd. direkt und indirekt vom Staat, d.h. auch ungläubigen und andersgläubigen Steuerzahlern erhalten. Zum Beispiel stammen nur etwa 6 Mrd. der Kirchensteuern von den Mitgliedern der staatlich privilegierten Kirchen, die restlichen 3 Milliarden übernimmt das Finanzamt, indem es auf Steuern verzichtet (Abschreibung der gezahlten Kirchensteuer als Sonderausgabe). Außerdem bezahlt der Staat die Religionslehrer und kommt für die gesamten Kosten der theologischen Fakultäten auf. Auch die hohen Gehälter der meisten Bischöfe und von Kardinal Meisner dürfen die Atheisten mitbezahlen. Was kaum jemand weiß: an den Kosten von Caritas und Diakonie beteiligen sich die Kirchen mit jeweils nur knapp zwei Prozent. Bei den kirchlichen Kindergärten sind es im Schnitt zwölf Prozent, bei den „kirchlichen“ Krankenhäusern zahlen die Krankenkassen.

Der nächste Aufklärungsdienst soll wie sich das gehört an einem Dienstag stattfinden: 3. Mai, 20 Uhr, 8 bzw. 3 Euro. Es soll um Bekenntnisse vs. Erkenntnisse an düsseldorfer Schulen gehen. Und vermutlich wird ein gewisser Wolfgang Klosterhalfen wieder aus seiner Reimbibel vortragen.

Gott ist gütig, Gott ist klasse

Januar 29, 2011

Aus der Reimbibel von Wolfgang Klosterhalfen:

Gott ist gütig, Gott ist klasse,
aber leider knapp bei Kasse.
Hat kein Geld fürs Personal:
Pastor, Bischof, Kardinal.
Diese Jungs sind ziemlich teuer,
knapp wird da die Kirchensteuer.
Hilfe für das Sündikat
kommt deshalb von Vater Staat.
Der hilft gern beim guten Werk,
Näheres weiß Carsten Frerk.

Carsten Frerk
Violettbuch Kirchenfinanzen
Wie der Staat die Kirchen finanziert
Alibri, 2010, 269 S., 16 €
http://tinyurl.com/5s24hyn

Kindsmissbrauch durch katholische „Geistliche“

Januar 24, 2011

Richard Sipe ist ein weltweit anerkannter Experte im Bereich des Kindsmissbrauchs durch katholische Geistliche. Hier beantwortet er 21 Fragen von AHA Lëtzebuerg (Allianz von Humanisten, Atheisten und Agnostikern Luxemburg):

http://networkedblogs.com/dnY1w
(bitte bis zum Interview „durchklicken“)

Zölibat? Aber sicher! (M. Matussek, Der Spiegel)

Januar 23, 2011

„Die Initiative von katholischen CDU-Politikern für Ausnahmen vom Zölibat ist nur das gewöhnliche Reformbrausen in den Laienrängen. Man muss es als Vorgeschmack auf den Besuch des heiligen Vaters in Deutschland werten – und am besten ignorieren, glaubt der überzeugte Katholik Matthias Matussek.“

Ich bin zwar nicht für den Zölibat (klingt mir noch zu männlich), aber durchaus für das Zölibat. Aber dann bitte mit Kastration unmittelbar vor der Priesterweihe: Eunuchen für das Himmelreich!

Die Vorteile sind: kein mühsames Die-sexuellen-Kräfte-auf-ein-höheres-Niveau-heben (ein Vorschlag des nach eigenem Bekunden sexuell beschränkt kompetenten Bischofs Jaschke), kein qualvolles Verkneifen sexueller Bedürfnisse, keine teueren Telefonate, kein Masturbieren mit Schuldgefühlen, keine heimlichen Beziehungen zu Männern und Frauen, keine Priesterkinder, keine sexuellen Übergriffe auf Kinder und Jugendliche.