Angeklagt: der Papst (Geoffrey Robertson)

Robertson ist ein international angesehener Anwalt für Menschenrechte. Seine „Papst-Anklage“ ist ein gut lesbares, optisch ansprechendes Bändchen, dass zwar gelegentlich (mir) etwas zu redundant geschrieben ist, andererseits aber immer wieder in interessante Details geht, die man in den Medien äußerst selten oder gar nicht findet. Es wird deutlich, wie weit verbreitet Missbrauch und Missbrauchsvertuschung stattfanden und darauf hingewiesen, dass in etlichen südlichen Ländern die Aufarbeitung noch kaum begonnen hat. Besonders interessant war für mich die Darstellung des kanonischen (kirchlichen) Rechts, der angemaßten und von den meisten Staaten servil akzeptierten Staatlichkeit des vatikanischen Pseudostaats, des Lateranvertrags (Mussolini) und der Beziehung des Heiligen Stuhls (wenn Jesus das wüsste) zu den Vereinten Nationen. Wie solide Robertson argumentiert, zeigt auch der Anhang mit vielen näheren Erläuterungen in Form von Fußnoten sowie Literaturangaben und Links. Erschütternd ist die gerichtliche Befragung von Bischof Curry, der mitschuldig daran war, dass ein Priester neunmal versetzt wurde und sich immer wieder an Kindern vergreifen konnte. Das Schicksal der betroffenen Kinder, deren Namen er nicht mal eruiert hat, scheint diesem Diener des Herrn völlig gleichgültig gewesen zu sein. 

Bedauerlicher-, aber nicht verwunderlicherweise ist Robertsons fundierte Analyse in Deutschland nicht bei einem großen Verlag, sondern ausgerechnet beim Gabriele-Verlag erschienen, der zu der Glaubensgemeinschaft „Universelles Leben“ gehört, dessen Prophetin Gabriele heißt. Das hat Robertson, der keinen Hinweis darauf liefert, dass er dieser Gruppe nahesteht, nicht verdient. Während jemand, der nachweislich seit 1981 die strafrechtliche Verfolgung von Sexualstraftätern systematisch behindert hat – auch im 2010 erschienenen aktualisierten Rundschreiben „De delictis graviboribus“ steht, dass die Behandlung von Missbrauchsfällen dem päpstlichen Geheimnis unterliege (s. Anhang im Buch) –  in Deutschland nicht verhaftet wird, sondern vor dem Bundestag reden darf, muss sich ein aufrechter und kompetenter Mann wie Robertson mit einer Verlagsnische begnügen. Auch dies ist ein Riesenskandal und ein Armutszeugnis für Deutschland.

Siehe auch meine Übersicht zur Missbrauchsvertuschung durch Kardinal/Papst Ratzinger.

Kurzlink zu diesem Artikel: http://wp.me/pt7U1-2E

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Eine Antwort to “Angeklagt: der Papst (Geoffrey Robertson)”

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