Archive for Januar 2011

Gott ist gütig, Gott ist klasse

Januar 29, 2011

Aus der Reimbibel von Wolfgang Klosterhalfen:

Gott ist gütig, Gott ist klasse,
aber leider knapp bei Kasse.
Hat kein Geld fürs Personal:
Pastor, Bischof, Kardinal.
Diese Jungs sind ziemlich teuer,
knapp wird da die Kirchensteuer.
Hilfe für das Sündikat
kommt deshalb von Vater Staat.
Der hilft gern beim guten Werk,
Näheres weiß Carsten Frerk.

Carsten Frerk
Violettbuch Kirchenfinanzen
Wie der Staat die Kirchen finanziert
Alibri, 2010, 269 S., 16 €
http://tinyurl.com/5s24hyn

Kindsmissbrauch durch katholische „Geistliche“

Januar 24, 2011

Richard Sipe ist ein weltweit anerkannter Experte im Bereich des Kindsmissbrauchs durch katholische Geistliche. Hier beantwortet er 21 Fragen von AHA Lëtzebuerg (Allianz von Humanisten, Atheisten und Agnostikern Luxemburg):

http://networkedblogs.com/dnY1w
(bitte bis zum Interview „durchklicken“)

Zölibat? Aber sicher! (M. Matussek, Der Spiegel)

Januar 23, 2011

„Die Initiative von katholischen CDU-Politikern für Ausnahmen vom Zölibat ist nur das gewöhnliche Reformbrausen in den Laienrängen. Man muss es als Vorgeschmack auf den Besuch des heiligen Vaters in Deutschland werten – und am besten ignorieren, glaubt der überzeugte Katholik Matthias Matussek.“

Ich bin zwar nicht für den Zölibat (klingt mir noch zu männlich), aber durchaus für das Zölibat. Aber dann bitte mit Kastration unmittelbar vor der Priesterweihe: Eunuchen für das Himmelreich!

Die Vorteile sind: kein mühsames Die-sexuellen-Kräfte-auf-ein-höheres-Niveau-heben (ein Vorschlag des nach eigenem Bekunden sexuell beschränkt kompetenten Bischofs Jaschke), kein qualvolles Verkneifen sexueller Bedürfnisse, keine teueren Telefonate, kein Masturbieren mit Schuldgefühlen, keine heimlichen Beziehungen zu Männern und Frauen, keine Priesterkinder, keine sexuellen Übergriffe auf Kinder und Jugendliche.

Was glauben die Christen eigentlich noch?

Januar 22, 2011

Was glauben die Christen in Deutschland eigentlich noch?

Schon vor gut zwanzig Jahren stimmten nur noch 30.8% der Katholiken und 21.6% der Protestanten allen Aussagen des apostolischen Glaubensbekenntnisses zu. Die weiteren Ergebnisse der Allensbach-Umfrage (1989) in Prozenten:

Kath. Prot. Einzelaussage
83.7 71.5 Gott
60.7 47.5 Vater (der Menschen)
62.6 50.9 Gott ist allmächtig
58.7 47.7 Himmel, Erde geschaffen
76.5 65.0 Jesus Christus
64.8 52.0 Jesus Gottes Sohn
35.4 24.0 empfangen durch Heiligen Geist
51.4 40.7 geboren von Jungfrau Maria
80.5 73.1 gekreuzigt, gestorben, begraben
50.2 35.0 auferstanden vom Tod
46.3 37.1 aufgefahren in den Himmel
45.4 29.8 sitzt zur Rechten Gottes
43.3 26.2 wird kommen zu richten
49.8 27.8 Heiliger Geist
44.9 31.7 Heilige Kirche
42.7 25.5 Gemeinschaft der Heiligen
55.9 45.2 Vergebung der Sünden
46.2 28.1 Auferstehung der Toten
50.1 28.9 ewiges Leben

Weitere Informationen hier: http://tinyurl.com/677gtgv

und hier: www.reimbibel.de/statistik.htm

Heinz-Werner Kubitza: Der Jesuswahn

Januar 17, 2011

Geistreiche Aufklärung über die wundersame Gottwerdung Jesu

Nachdem ich in den letzten Jahren bibel- und kirchenkritische Bücher von Buggle, Deschner, Lüdemann und anderen gelesen habe, war ich mir nicht sicher, ob es sich für mich lohnen würde, nun auch noch den „Jesuswahn“ von Kubitza zu studieren. Es hat sich gelohnt, sogar schon bevor ich das Buch in den Händen hatte. Denn der Autor hat etliche Leseproben auf jesuswahn.de zur Verfügung gestellt.

Kubitzas Beitrag zur „religiösen Ausnüchterung“ hat das Potential, zu einem Standardwerk populärwissenschaftlicher Bibelkritik zu werden. Sein erster Satz lautet: „Die Bibel ist das am meisten überschätzte Buch der Weltliteratur.“ (S. 9) Schon das erste Kapitel („Der peinliche Gott des Alten Testaments“) demonstriert eindrucksvoll, dass sich auf den Macht- und Rachephantasien nomadisierender Wüstenbewohner keine akzeptable Ethik aufbauen lässt. Wer sich der Illusion hingibt, der Autor habe nur einzelne Stellen aus dem Zusammenhang gerissen, möge zur Strafe das gesamte AT lesen.

Wichtiger ist aber der Rest des Buchs, denn die Christenheit definiert sich ja über den Jesus, der schon wenige Jahrzehnte nach seinem schmachvollen Tod am Kreuz (oder Pfahl?) zum göttlichen Christus weiterentwickelt wurde. Hier legt der promovierte Theologe detailliert dar, wie Jesus zuerst von Paulus, der sich für den historischen Jesus nicht interessierte, und dann von den vier amtlich zugelassenen Evangelisten die Gottessohnschaft angedichtet wurde. Man braucht ja eigentlich nur jede Aussage des Markus mit den folgenden drei Evangelien zu vergleichen, um zu merken, dass diese Erzählungen vorne und hinten nicht stimmen. Der eine „weiß“ dies, der andere jenes, und oft wird nicht miteinander Vereinbares zum gleichen Sachverhalt berichtet. Diese mühselige Arbeit nimmt uns jedoch der Verfasser ab und zitiert im fortlaufenden Text die entsprechenden Stellen, so dass man nicht ständig in der Bibel oder in einem Anhang nachschlagen muss. Natürlich geht er dabei immer wieder auf interessante Überlegungen und Ergebnisse der kritischen Theologie ein. Am Ende bleibt vom Jesus der Sonntagspredigten („die am meisten überschätzte Person der Weltgeschichte“) nicht viel übrig: „Der Christus der Kirche ist ein Geschöpf dieser Kirche selbst, nicht er hat die Kirche begründet, sondern die Kirche hat Christus begründet.“ (S. 233)

Kubitza schreibt intelligent, flüssig, unterhaltsam, pointiert und ohne theologische Laien zu überfordern. Besonders gut haben mir – zum Thema passend – seine häufigen bildlichen Vergleiche gefallen.

Wer sich nicht speziell für die Debatte „Kreationismus vs. Evolutionslehre“ interessiert, sollte sich lieber Kubitzas „Jesuswahn“ als den „Gotteswahn“ von Dawkins zulegen.

Hier eine weitere Buchbesprechung sowie ein ausführliches Interview mit dem Autor

Prof. Dr. theol. Margot Käßmann verharmlost biblische Massenmorde

Januar 14, 2011

Alan Posener hat Frau Dr. Käßmann als eine theologische Niete bezeichnet. Sie habe fälschlich behauptet, Josef sei bei der Geburt Jesu nicht der Ehemann Marias gewesen, und der andere biblische Josef habe seinen eigenen Traum (und nicht den des Pharao) gedeutet. Ich finde, dass Herr Posener da etwas zu weit geht. Mag ja sein, dass die ehemalige Bischöfin und Ratsvorsitzende der EKD nicht ganz bibelfest ist, aber sie hat sich nur geirrt.

Für skandalös halte ich hingegen die folgenden Passagen aus ihrer gerade gehaltenen Antrittsvorlesung an der Ruhruniversität Bochum:

„Mose führt in der biblischen Erzählung das ganze Volk Israel aus Ägyptenland in die Wüste und schließlich bis zur Grenze des gelobten und verheißenen Landes. Dort werden die Israeliten kämpfen müssen, um ihre Kultur zu behaupten gegen die vorhandene Kultur des Landes Kanaan. Und immer wieder gibt es Auseinandersetzungen, ob denn das Volk abtrünnig sei, wenn es Kult und Religion der Völker vor Ort annehme, sich zu sehr assimiliere, statt die Differenz zu leben. Fremd sein oder anpassen, integrieren oder okkupieren, abgrenzen oder assimilieren, das Eigene und das Andere – es sind Themen, die die Bibel auf faszinierende Weise durchbuchstabiert. … Der Prophet Elia hingegen wettert gegen die Baalspropheten und legt sich blutig mit Königin Izebel an.“

Frau Käßmann verharmlost hier göttlich inspirierte Völkermorde sowie Massenmord, Mord, Raub, Verschleppung und Vergewaltigung im Namen des Herrn und tauft diese um in „Kultur behaupten“, „Auseinandersetzungen“, „die Differenz leben“, und „wettern“. Theolügie vom Feinsten, die die Inhumanität, die in der Bibel die Regel und nicht die Ausnahme ist, verschleiern soll.

Auch wenn es sich hier „nur“ um biblische Legenden handelt: gerade der jüdische Teil der Bibel – und das sind etwa zwei Drittel dieser Sammlung alter Schriften alter priesterlicher Chauvinisten – hat uns für die Lösung der heutigen Probleme wenig zu bieten. Es sei denn, man will mit ihrer Hilfe verdeutlichen, wohin religiöse Wahnvorstellungen führen können. Jedenfalls hat die Bibel mit den uns heute „heiligen“ Werten wie Meinungsfreiheit, Demokratie, Gleichberechtigung, Religionsfreiheit und anderen Menschenrechten wenig zu tun.

Wolfgang Klosterhalfen: Reimbibel. Heitere Aufklärung über den christlichen Aberglauben

Caritas, Diakonie, Etikettenschwindel

Januar 12, 2011

Der folgende Kommentar bezieht sich auf einen prokirchlichen Artikel in der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung.

Caritas und Diakonie erbringen unverzichtbare Leistungen im sozialen Bereich. Ein Zusammenbruch dieses Systems droht nicht, denn niemand hat vor, diese Einrichtungen abzuschaffen. Caritas und Diakonie würden auch dann nicht zusammenbrechen, wenn sich die Kirchen nicht mehr an deren Kosten beteiligen würden, denn das tun sie nur zu jeweils knapp zwei Prozent. (Der größte Teil der Einnahmen der Kirchen wird für deren seelsorgerisches Personal, Verwaltung und Missionierung verwendet.)

Diese zwei Prozent sind gut angelegt, denn sie dienen der kirchlichen Macht über etwa eine Million konfessionell gebundene Arbeitsplätze und dem Ansehen der Kirchen, von denen sogar die meisten Atheisten noch glauben, sie täten „viel Gutes“. Natürlich zahlen diese Angestellten aus ihren öffentlich finanzierten Gehältern Kirchensteuern, an denen sich wiederum der Staat durch Steuerverzicht mit etwa 30 Prozent beteiligt. Mit dem legendären barmherzigen Samariter hat dies nicht mehr viel zu tun und praktizierte Nächstenliebe findet man auch beim Roten Kreuz oder beim Personal der Arbeiterwohlfahrt.

Wolfgang Klosterhalfen: Reimbibel. Heitere Aufklärung über den christlichen Aberglauben

Immer diese Atheisten…

Januar 11, 2011

Der Atheismus wird laut Präses Schneider immer „lauter und aggressiver“. Die größte Frechheit: er fängt an, sich in den Medien breit zu machen, die doch eigentlich zu berichten haben, was die Kirche für schöne Veranstaltungen macht und an froher Botschaft verkündet.

Ganz schlimm ist das neue Buch eines Theologen: „Der Jesuswahn. Wie die Christen sich ihren Gott erschufen. Die Entzauberung einer Weltreligion durch die wissenschaftliche Forschung“. Heinz-Werner Kubitza ist so aggressiv zu bestreiten, dass Jesus der Sohn Gottes war. Und der Gipfel der Dreistigkeit: Kubitza argumentiert ganz überwiegend mit der Bibel selbst. Er hält sie für das am meisten überschätze Buch der Weltliteratur. Und begründet das ausführlich. Unverschämt. Es gilt nun zu verhindern, dass Kubitza seine Thesen in Zeitungen und Fernsehstudios verbreitet.

Gewarnt sei auch vor der aggressiven Reimbibel von Wolfgang Klosterhalfen. Dieser Amateur-Kirchenkritiker hat doch tatsächlich die Bibel in Form von Gedichten nacherzählt und kritisch kommentiert. Pure Blasphemie! Der Mann hat noch nicht mal Theologie studiert. Wo doch bekannt ist, dass sich Gott in so geheimnisvoller Weise offenbart, dass nur Theologen seine schriftlichen Verlautbarungen richtig interpretieren können.