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Aus dem Vorwort zur Reimbibel

März 13, 2009

Christen wirken etwas bedrückt, wenn sie in speziellen Gebäuden gemeinsam aufsagen, was sie angeblich alles glauben. Ich frage mich dann immer: Glauben diese Menschen tatsächlich, dass sie einen allmächtigen und gütigen Vater im Himmel haben, und die Jungfrau Maria der Christenheit mit Hilfe des Heiligen Geistes einen Sohn geboren hat, der zur Vergebung der Sünden zu Tode gefoltert wurde, dann wieder lebendig wurde, kurz im Reich der Toten war, zum Himmel aufgefahren ist und eines Tages Milliarden von Toten und Lebendigen zum Himmel oder in die Hölle schicken wird? Außerdem frage ich mich manchmal, ob Christen eigentlich klar ist, dass ihr Glaube an Gott einen Glauben an die Wahrheitsliebe und psychische Gesundheit von ihnen unbekannten Menschen voraussetzt, die zu biblischen Zeiten gelebt haben.

Eigentlich müsste das Glaubensbekenntnis so beginnen:
„Ich glaube, dass Gott sich mindestens eine Million Jahre lang nicht für die Menschheit interessiert hat. Ich glaube, dass Gott sich dann nur um Hebräer gekümmert hat, die sich der Legende nach in ägyptischer Gefangenschaft befanden. Ich glaube, dass Gott vor zwei- bis dreitausend Jahren nur zu mehreren alten Männern im vorderen Orient gesprochen hat. Ich glaube, dass diese Männer weder geisteskrank noch Schwindler waren. Ich glaube, dass Gott in Gestalt seines Sohnes vor zweitausend Jahren Menschen in Palästina erschienen ist. Ich glaube, dass Propheten über Jahrhunderte bzw. Jünger über Jahrzehnte hinweg weitgehend unverändert das Wort Gottes bzw. Jesu mündlich weitergegeben haben. Ich glaube, dass verschiedene Verfasser dieses Wort im Wesentlichen unverfälscht aufgeschrieben haben. Ich glaube, dass aus einer Vielzahl zunächst als heilig verehrter Schriften im Laufe der Jahrhunderte die Kirche nur die tatsächlich von Gott kommenden als solche erkannt und zugelassen hat. Ich glaube, dass diese Offenbarung Gottes durch Fehler beim Übersetzen und häufigen Abschreiben oder durch absichtliche Streichungen, Änderungen und Zusätze nicht wesentlich verfälscht wurde. Ich glaube, dass die Bibel von Experten meiner Kirche richtig ausgelegt wird.“

Was angeblich Gott auf diese merkwürdige Art mitgeteilt hat (man fühlt sich an das Kinderspiel „Stille Post“ erinnert), interessiert heute in Deutschland nur eine Minderheit:

Deutsche ab 16 Jahren lesen die Bibel:
häufig 4%
hin und wieder 9%
selten 25%
nie 62%

Quelle: Allensbach-Umfrage (2005), www.fowid.de

Als Jugendlicher „konfirmiert“, habe ich mir die Bibel erstmals als Rentner näher angesehen. Ich kann nun verstehen, warum die Bibel so wenig gelesen wird. Die Bibel ist schlecht editiert, sie liest sich schlecht, und sie ist blasphemisch. Sie stellt den Gott der Christen zumindest im Alten Testament nicht als einen Gott der Liebe, sondern in erster Linie als einen besonders widerwärtigen Psychopathen dar.

Es ist für mich unvorstellbar, dass ein menschenähnlich empfindender und emotional schwer gestörter Gott Milliarden von Galaxien sowie Tiere und Pflanzen aus dem Nichts hervorgezaubert haben soll. Versuche, auf diesen jähzornigen Gott durch genau vorgeschriebene Rituale und durch Gebete einzuwirken, oder ihm durch Gesänge eine Freude zu machen, halte ich für töricht. Zu glauben, ein unsichtbares höheres Wesen würde alle – zur Zeit 6.75 Milliarden – Menschen genau beobachten, strafend und belohnend in ihr Leben eingreifen und für die Verstorbenen je nach Sündenregister Himmel oder Hölle bereithalten, ist eines im 21. Jahrhundert lebenden Erwachsenen nicht würdig. Mich beunruhigt, dass derzeit zwei Milliarden Menschen mehr oder weniger stark an derartigen kindischen Unsinn glauben.

www.reimbibel.de/vorwort.htm